Umbau des Rathauses nach den Prinzipien der Economie Circulaire

Artikel aus der "Zeitung fir Wooltz an d'Regioun" von Dezember 2019.

 

Als Hotspot der Economie Circulaire war es für die Wiltzer Gemeindeverantwortlichen nur logisch, dass diese Thematik auch bei der Renovierung des Rathauses einfließen sollte. Dass dies bei der Renovierung eines denkmalgeschützten Gebäude nicht einfach ist, wurde schnell klar. Trotzdem konnten zahlreiche Maßnahmen berücksichtigt werden.

„Gesond schaffen“ – eine gesunde Arbeitsumgebung

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Die Interaktion unter den Mitarbeitern soll in dem renovierten Gebäude gefördert werden: dazu wurden beispielsweise gemeinsame Aufenthaltsräume, geteilte Büros und zentrale Kopierräume eingeplant.

In der Höhe verstellbare Arbeitsplätze, die auch als Stehpult benutzt werden können, eine dezente Raumbeleuchtung in Kombination mit regulierbaren Stehleuchten am Arbeitsplatz sorgen für eine angenehme Arbeitsumgebung. 

 

Auf eine gute Luftqualität wird besonderen Wert gelegt: begrünte Wände auf allen Etagen sowie luftreinigende Zimmerpflanzen und ein feuchtigkeitsregulierender Lehmputz an den Wänden bieten ein optimales Arbeitsklima.

Cradle-2-Cradle-zertifizierte Materialien

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Für den Fußboden werden überwiegend Cradle-2-Cradle-zertifizierte Bodenbeläge verwendet, also Produkte, welche am Ende ihrer Nutzung wiederverwertet werden können. In den Büros wird beispielsweise ein recycelbarer Teppichboden verlegt, der zudem den Staub aus der Raumluft bindet. Auch der Parkettboden sowie Teile der Fliesen erfüllen die Anforderungen des C2C-Zertifikats.

 

Außerdem wurden die Balken der ursprünglichen, abmontierten Dachkonstruktion größtenteils für den Neuaufbau des Dachstuhls wiederverwendet.

Weniger Energie- und Wasserverbrauch

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Die energetische Sanierung von alten Gemäuern gestaltet sich oft kompliziert – das ist bei der Villa Thilges nicht anders. Trotzdem wird die neu geschaffene Obergeschoss nach heutigen Standards gedämmt und mit einer Lüftungsanlage ausgestattet. In den WCs kommt ein System zum Einsatz, das die benötigte Menge an Wasser für die Klospülung automatisch reguliert. 

 

Ein- und Mehrwegwasserflaschen verschwinden außerdem aus den Büros: die Mitarbeiter können sich an Wasserspendern wahlweise an Leitungs- oder Sprudelwasser bedienen. 

Umzug ist für Herbst 2020 geplant

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Zum Jahreswechsel werden die Dacharbeiten abgeschlossen und das Gerüst um das Gebäude abgebaut. Anschließend geht es mit dem Innenausbau weiter, so dass voraussichtlich im September des kommenden Jahres wieder bezogen werden kann.

Drei Fragen an Sabrina Morn

Sabrina Morn, Architektin bei der Gemeinde Wiltz, begleitet den Ausbau aus nächster Nähe.

WIE AUFWENDIG WAR DIE PLANUNG IM VERGLEICH ZU EINER KLASSISCHEN RENOVIERUNG?

Sabrina Morn

Da in der Villa viele erhaltenswerte Elemente vorhanden sind, wie z.B. Stuckdecken, Holztäfelungen, Mosaikboden, Sandstein-Fassadenelemente, Dachgauben aus Sandstein und vieles mehr, musste mit höchster Achtsamkeit an der Verbesserung der Statik gearbeitet werden und auf unkonventionelle Lösungen zurückgegriffen werden. 

 

Ebenso sollte so viel Bestandsstruktur wie möglich erhalten und für die kommenden Generationen gesichert werden.

WELCHER ASPEKT DER RENOVIERUNG IST IHRER MEINUNG NACH AM WICHTIGSTEN?

Im Grunde ist der wichtigste Aspekt, dem Gebäude die nötige Stabilität zurück zugeben um das Dachgeschoss als Nutzfläche ausbauen zu können. Neben diesem unumgänglichen Schritt war es uns wichtig, das Gebäude so um zubauen, das es den heutigen Bedürfnissen entspricht und den Mitarbeitern ein gesundes Arbeitsumfeld zur Verfügung stellt. Hierzu zählt die Luftqualität ebenso wie die Akustik und Beleuchtung in den Räumen.

WELCHE TIPPS ZUM THEMA ECONOMIE CIRCULAIRE KÖNNEN SIE ANGEHENDEN BAUHERREN MIT AUF DEN WEG GEBEN?

Sich vor dem Bau über Giftstoffe in den Materialien informieren, da diese nicht nur einen negativen Einfluss auf die Umwelt, sondern auch auf die Bewohner haben können. Neben dem hinterfragen der Materialwahl (möglichst auf gesunde, ökologische und nachhaltige Baustoffe setzen) ist ein zweiter wichtiger Punkt die Planung des Gebäudes. 

Wie wohne ich jetzt? Wie werde ich in 20, 40 oder mehr Jahren wohnen wollen? Ist mein Grundriss durch kleine Umbauten variabel? Und was passiert, wenn das Haus seinen Zweck erfüllt hat und abgerissen werden soll: können die Materialien getrennt und gegebenenfalls wiederverwendet werden?