Wunne mat der Wooltz

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Durch das Urbanisierungsprojekt "Wunne mat der Wooltz" sollen die gesamten Industriebrachen im Herzen von Wiltz aufgewertet und umgestaltet werden. In Zusammenarbeit mit dem Fonds du Logement ensteht ein auf mehr als 25 Hektar ein neues Wohnviertel, welches mittelfristig Wohnraum für rund 1800 Einwohner in ungefähr 780 Wohneinheiten bieten kann, wobei auch auf die soziale Durchmischung geachtet wird.

 

Als Pilotprojekt der Economie Circulaire hat "Wunne mat der Wooltz" einen festen Platz im Entwicklungsplang CAP 2030. Neben einem nachhaltigen, architekturalen und globalen Urbanisierungskonzept beinhaltet das Projekt auch die Renaturierung der Wiltz, eine reduzierte Nutzung von Autos und die Schaffung von Raum für soziale Interaktion und gesellschaftliches Zusammenleben vor, so dass ein lebendiges Wohnviertel entsteht. Öffentliche Gebäude, eine Ganztagsschule, Maison relais, ein pädagogisches Museum sowie eine Musikschule finden ihren Platz in diesem dank der Nähe zum Bahnhof bestens angebundenen Stadtteils.

September 2018: Das städtische Entwicklungsprojekt «Wunne mat der Wooltz» kommt in die Umsetzungsphase

von David Koch, Architekt-Urbanist der Gemeinde Wiltz

 

Anfang 2017 wurden die beiden ersten Teilbebauungspläne „Geetz“, auf dem Gelände des ehemaligen Fussballplatzes, so­wie „Nordhang“, unterhalb des Friedhofs, in die Genehmigungsprozedur geschickt: beide PAPs sind für den Wohnungsbau bestimmt. Diese Prozedur wird in den kommenden Wochen abgeschlossen sein. In diesem Monat folgt der PAP „Public“, auf Höhe des früheren Kunstrasenplatzes, in dem der Bau von öffentlichen Einrichtungen (Schule, Maison relais, ...) geplant ist.

 

„Gelassenheit” wäre wohl das richtige Stich­wort, um die gewünschte Atmosphäre zu beschreiben, die durch die Leitlinien des Entwicklungsprojekts erreicht werden soll. In einer Zeit, in der die Welt sich immer schneller zu drehen scheint, alles (zu) schnell geschehen muss und wo die Zeit des Zusammenlebens oft zu kurz kommt, erschien es angebracht Orte für Ruhe und Erholung einzuplanen.

In die Planung eines neuen urbanen Raums innerhalb einer bestehenden Stadt fließen immer eine Vielzahl an Thematiken ein, die eng miteinander vernetzt sind. Das Ziel des „gelassen leben“ kann nur erreicht werden, wenn gleichzeitig an all diesen Thematiken gearbeitet wird. Zählen wir einige davon auf: erstens, die Be­­bau­­ungs­­dichte. Die Aufgabe einer Stadt ist es, eine Viel­falt an Einwohnern auf­­zu­­nehmen. Für Urbanisierung gilt es dem­nach, vorauszusehen wie die Einwohner zusammen­leben können, und hierbei ist die Besiedelungs­dichte entscheidend: zuviele Menschen auf einem zu kleinen Raum führen zu einem Mangel an Privatsphäre, geben ein Gefühl von Unsicherheit und latentem Stress. Eine zu niedrige Besiedelung hingegen bringt zuviel Distanz zwischen den Nachbarn mit sich, und es ensteht kein Gefühl von Zusammengehörigkeit.

 

Eine zweite Thematik die sich daraus ergibt ist die der gefühlten und realen Sicherheit. In den meisten Stadtteilen führt das Zusammenleben von Menschen aller Altersklassen und Fahr­zeugen zu einem Teufelskreis: bei zuviel Verkehr fahren viele Eltern ihre Kinder lieber... per Auto überall hin. Dies führt zu weiteren relativ komplizierten Situationen, vor allem vor den Schulen zu Schulbeginn und -schluss.In einem ruralen Kontext wie in Wiltz wird das Auto jedoch nach wie vor als unverzichtbar angesehen. Aufgrund dieser doppelten Fest­stellung werden die verschiedenenen Gebiete des „Wunne mat der Wooltz“ zwar nicht „autofrei“ werden, jedoch „autoarm“: die künftigen Einwohner dürfen weiterhin von ihrem Fahrzeug Gebrauch machen. Doch anstatt dass jeder sein Auto vor die Haustür parkt, werden diese in gemeinschaftlichen Garagen am Eingang der größeren Wohngebiete abgestellt. Im PAP Geetz beispielsweise sind die entferntesten Häuser maximal 50 Meter von den Garagen entfernt – eine Strecke, die in weniger als einer Minute zu Fuß zu erledigen ist. Diese Entfernung der Autos scheint auf den ersten Blick als Nachteil, da wir dies nicht gewohnt sind; doch es bringt gleich mehrere Vorteile mit sich, die uns zu weiteren Thematiken bringen, die von den Planern untersucht wurden:

 

  • Die Ruhe in den Stadtteilen, wo der einzige Verkehrslärm von Fußgängern und Fahrrädern verursacht wird;
  • Die Sicherheit natürlich, die von den Wohnhäusern und -gebäuden bis zur Eingangstür der neuen Schule reicht;
  • Die Qualität der unverschmutzten Luft;
  • Die Qualität der Beziehungen zu den Nachbarn, zwischen denen der Kontakt leichter fällt wenn man sich als Fußgänger begegnet;
  • Die gesteigerte Selbstständigkeit der Kinder.

All diese Thematiken führen uns zu dem Konzept der Ruhe und der Gelassenheit. Möglich wird dies auch wegen der unmittelbaren Nähe des Bahnhofs, bei dem der intermodale Transport ausgebaut wird. Die Thematik des „miteinander leben“ und des Zusammenlebens finden sich auch in diesem Konzept wieder, weil die Einwohner auf dem Weg zur gemeinsamen Garage die Möglichkeit haben, ein paar Worte zu wechseln.

 

Auch auf anderen Ebenen findet sich dieses Thema wieder. Der öffentlichen Raum, die Straßen, Plätze, Wege und Grünanlagen stellen eine Folge an Begegnungsstätten dar, die alle ihren eigenen Charakter haben. In verschiedenen Wohnungsgebäuden werden in einer späteren Phase Begegnung und Austausch vor allem in den Büro- und Verkaufsräumen im Erdgeschoss möglich sein, ebenso in der Schule, der Sporthalle, dem Kletterpark, dem Repair-Café.

 

Auch auf den Dächern von verschiedenen Gemeinschafts­gebäuden können Begegnungen stattfinden: die Dächer, welche nicht für Solaranlagen gedacht sind, werden aus landschaftlichen und energetischen Gründen sowie zur Reinigung der Luft und des Regenwassermanagements  alle begrünt werden. Auf diesen grünen Dächern könnten Teile als Gemeintschaftsgärten hergerichtet werden, Gewächshäuser enstehen, Blumen- und Gemüsezüchter gemeinsam ihrem Hobby nachgehen.

 

Paralell zum Bau der ersten Gebäude der PAP Geetz und Nordhang wird mit der Renaturierung der Wiltz begonnen. Der historische Fluss, der einst der Stadt seinen Namen gab, ist seit längerem zwischen Betonwänden eingesperrt und soll künftig in einem umgestalteten Flussbett auf viel natürlichere und breitere Weise fließen können. So können Fußgängerwege entlang des Ufers entstehen und der Fluß der Stadt wieder mit den Einwohnern in Kontakt kommen.