Straße im Fokus:

warum eigentlich...

2026-06-22 rue du Moulin à Vent (7)

... "Rue du Moulin à Vent - Wandmillestrooss" ? 

Wer heute durch Niederwiltz spaziert, stößt auf einen Straßenamen, der unmittelbar Bilder hervorruft: Rue du Moulin à vent – Wandmillestrooss. Hinter diesem Namen verbirgt sich nicht nur ein historisches Bauwerk.

Ein Straßenname mit Geschichte

Die heutige Bezeichnung der Straße geht auf ein größeres Straßenbenennungsprojekt der damaligen Wiltzer  Gemeindeverantwortlichen zurück. Am 18. Dezember 1937 wurden die ausgearbeiteten Vorschläge beschlossen und an die Regierung weitergeleitet. Doch nach der Veröffentlichung in der "Ardenner Zeitung“ vom 28. Dezember 1937 regte sich deutlicher Widerstand in der Bevölkerung. Die Regierung schickte das Projekt daraufhin zurück, mit der Bitte auf stärkere Berücksichtigung der örtlichen Geschichte und Traditionen. Davon betroffen war auch eine Passage im Gebiet „Tëschent den Hoën“. Ursprünglich sollte sie „Rue de la Tour“ heißen. Da dort jedoch nie ein Turm, sondern eine Windmühle das Landschaftsbild bestimmte, wurde der Vorschlag verworfen. Stattdessen setzte sich der historisch passende Name Rue du Moulin à vent – Wandmillestrooss durch.

Windmühle als Namensgeberin

Insgesamt sind drei Windmühlen in Wiltz nachgewiesen, doch nur eine hat die Zeit bis heute zumindest als Baukörper überdauert. Die Mühle wurde ursprünglich 1766 durch die Gerber Nicolas Hobscheid und Michel Servais mit Genehmigung des damaligen Grafen von Wiltz errichtet. Ziel war es, sogenannte Gerberlohe herzustellen – ein wichtiger Rohstoff für die Lederproduktion. Entlang der Wiltz befanden sich damals zahlreiche Lohmühlen, doch diese Windmühle war eine der bedeutendsten Anlagen dieser Art.

Die Windmühle war eine typische Holländerwindmühle mit massivem Steinturm, drehbarer Haube und vier Flügeln. Ihr Standort wurde bewusst gewählt, da die starken Windströmungen im Tal der Wiltz ideale Bedingungen für ihren Betrieb boten.

Vom Produktionsort zur wechselvollen Geschichte

Die Mühle verlor bald ihre ursprüngliche Funktion. 1824 wurde sie verkauft und später als Wollspinnerei bzw. landwirtschaftliches Gebäude genutzt. Nachdem sie mehrfach den Besitzer wechselte und zunehmend zweckentfremdet wurde, beschädigte ein Blitzeinschlag am 10. Juli 1874 das Bauwerk erheblich. Das Feuer griff rasch auf das alte Holzgebälk sowie die im Inneren gelagerten Vorräte über, die vollständig verbrannten.

Übrig blieb nur der massive steinerne Unterbau mit meterdicken Mauern.

Unter der Mühle befand sich ein gewölbter Brunnen, der von Anwohnern genutzt wurde. Besonders Kinder und Nachbarn schöpften dort Wasser, während sie im leerstehenden Gebäude die sogenannten „Truffen“ (Lohkuchen) bearbeiteten, die als Brennmaterial dienten.

An der Südseite befand sich ein kleiner Schuppen, der 1958 abgetragen und höher wieder aufgebaut wurde und seither einen Teil der Mühle verdeckt. Im März und April 1959 erfolgten zudem Restaurierungsarbeiten durch die Gemeindeverwaltung mit staatlicher Unterstützung: Maueröffnungen wurden geschlossen und Fenstersteine eingesetzt, um den weiteren Verfall zu stoppen. Eine weitere Restaurierung erfolgte 1988, diesmal ohne Flügel. Der Rundbau wurde instandgesetzt und erhielt ein neues Dach in Form einer zwölfeckigen Pyramide, da eine ursprüngliche Kegelform aus Kostengründen nicht umgesetzt wurde. Der erhaltene Steinrumpf prägt das Erscheinungsbild bis heute und erinnert an die ursprüngliche Funktion der Windmühle.

Ein Name, der Geschichte erzählt

Der Name Rue du Moulin à vent – Wandmillestrooss ist damit mehr als nur eine Straßenbezeichnung. Sie bewahrt die Erinnerung an ein technisches Bauwerk, an die Gerbertradition im Wiltzer Tals und an eine Landschaft, die über Jahrhunderte von Wind, Wasser und Handwerk geprägt wurde.

Der „Réimerwee“ in Roullingen – Auf den Spuren der Römer

Wer heute durch Roullingen den Réimerwee entlanggeht, bewegt sich auf historischem Boden. Der Straßenname erinnert an eine der ältesten Verkehrsadern unserer Region: den römischen Fernweg von Tongern über Wiltz nach Trier. Wie bei vielen Ortschaften der Ardennen liegt auch die Frühgeschichte von Wiltz weitgehend im Dunkeln. Sicher ist jedoch, dass die Gegend nacheinander von Kelten, Römern und Franken besiedelt war. Entscheidend für ihre Bedeutung war die Lage an einer wichtigen Römerstraße von Tongern nach Trier sowie am Wasserlauf der Wiltz.

Der Römerweg durch Wiltz

Die erste und zugleich älteste Verkehrsader, die das Gebiet von Wiltz durchquerte, war der sogenannte „Römerweg“. Von Bauschleiden kommend führte er über Nothum und Roullingen nach Wiltz. Innerhalb der Stadt Wiltz verlief er über „de Knupp“, „de Greevchen“, die Scheergasse, den Schulberg und den „Lannebierg“. Anschließend zog er links an der Niederwiltzer Brücke vorbei durch die Wiltz, weiter über „d’Gaass“, „lanst d’Wandmillen“, „duerch den Daelchen“ hinauf „op d’Näerterkräiz“ und schließlich über Oberwampach bis nach Houffalize. 

Diese Verbindung war Teil der großen Achse Tongeren–Wiltz–Trier. Sie stellte den Anschluss an das römische Verkehrsnetz sicher und verband die Region mit bedeutenden Zentren wie Trier, dessen Wahrzeichen, die Porta Nigra, bis heute eindrucksvoll an die römische Epoche erinnert.

Roullingen im Wandel der Zeiten

Roullingen selbst erscheint in historischen Quellen nur selten. Ein Blick auf die Ferraris Karte aus den 1770er Jahren zeigt das Dorf unter dem Namen „Reihlingen“; vermerkt ist dort auch die „montagne Papierknopf“.

Über Jahrhunderte führte die Verbindung von Nothum über Roullingen nach Wiltz. Auch lange nach der Römerzeit blieb die Straßenfrage zentral für die Entwicklung der Region. Im Jahr 1826 zählte die Gemeinde lediglich sechs offizielle Gemeindewege: nach Bastnach, Goesdorf, Nörtringen, Houffalize, Merkholtz sowie Weidingen–Erpeldingen.

Dennoch konnte man bereits von Roullingen über die heutige „Rue de Bastogne“ nach Wiltz gelangen. Gerade für Fuhrwerke und Gespanne erwies sich diese Verbindung als besonders vorteilhaft.

Erst 1892 wurde in der luxemburgischen Abgeordnetenkammer über eine neue Zufahrtsstraße von Nothum nach Niederwiltz debattiert, den sogenannten „groussen Huschtewee“, der schließlich realisiert wurde. Bis heute erfolgt die Einfahrt nach Wiltz über die heutige „Rue Grande-Duchesse Charlotte“.Erwähnenswert ist auch, dass Roullingen lange Zeit keine Straßennamen kannte – die Häuser waren lediglich nummeriert. Erst im September 1986 beschloss der CSV-LSAP-Schöffenrat unter Bürgermeister Jean-Pierre Dichter, den Straßen eigene Namen zu geben. Seitdem heißen sie „Réimerwee“, „Am Duerf“, „Beim Burren“, „Heckewee“ und „Holewee“.

Erinnerung im Straßennamen

Der „Réimerwee“ ist somit mehr als nur eine Dorfstraße. Sein Name bewahrt die Erinnerung an eine überregionale Verbindung, die schon vor fast zwei Jahrtausenden Menschen, Waren und Ideen durch unsere Heimat führte.

Er steht exemplarisch für die tiefe geschichtliche Verwurzelung Roullingens – und man kann fast sagen, er erinnert daran, dass selbst kleine Orte Teil großer europäischer Entwicklungen waren. 

RS17490_20260225 - Roullingen - Reimerwee - vue aérienne - 3_scr(1)

Wer heute am „Gruberbeerig“ spaziert, das soziokulturelle Zentrum Prabbeli besucht oder durch den Jardin de Wiltz schlendert, begegnet einem Namen, der wie selbstverständlich zum Stadtbild gehört. Doch warum heißt dieser markante Hang der Oberstadt eigentlich Gruberbeerig? Die Antwort führt uns weit zurück – zu einer Zeit, in der am Fuß des Burrebeerig das Herz des Wiltzer Brauwesens schlug. 

Eine Brauerei mit Weitblick – und mit viel Wasser

Der Ursprung des Namens führt ins Jahr 1838, als Jean-Michel Gruber die Brauerei Pauly in Niederwiltz übernahm und nur sechs Jahre später am heutigen Gruberbeerig eine moderne Brauerei mit Brennerei gründete. Der Standort war ideal, denn direkt gegenüber lag der ergiebigste Brunnen der Stadt – ein unschätzbarer Vorteil in Zeiten, in denen Trinkwasser mühsam geschöpft wurde und viele Quellen in Trockenjahren versiegten. Die Brauerei entwickelte sich rasch zu einem bedeutenden Familienbetrieb: Zwei große Braukessel und drei Brennkessel waren im Einsatz, und 1913 gehörte der Brauerei Gruber einer der insgesamt 4 Lastwagen in ganz Wiltz. Für Familie, Arbeiter und Lieferanten war „op de Gruber“ längst ein fester Begriff.

Zuflucht während dunkler Zeiten

Besonders eindrucksvoll ist die Rolle des Gruberbeerig in den Jahren 1944/45. Während der Ardennenoffensive verwandelten sich die riesigen Brauereikeller in lebensrettende Schutzräume. Hunderte Menschen verbrachten hier Wochen voller Angst, Hoffnung und Gemeinschaft. In einer dramatischen Nacht wurde sogar der alte Eiskeller mit Pumpen und Eimern trockengelegt, um ihn als sicheren Bunker nutzen zu können. Ein Priester feierte dort eine unvergessliche Christmesse, während draußen die Granaten einschlugen.

Nachkriegszeit und Niedergang einer Tradition

Nach dem Krieg nahm die Brauerei ihren Betrieb wieder auf und belieferte vor allem Gastwirtschaften im Norden. Doch der wirtschaftliche Wandel machte auch vor dem Gruberbeerig nicht halt. 1956 übernahm die Brauerei Mousel den Betrieb und die Anlagen wurden modernisiert, das Personal reduziert und die Produktion kurzfristig auf 10.000 Hektoliter gesteigert. Interne Unstimmigkeiten und ein schwieriger Markt führten dazu, dass die Produktion 1969 eingestellt wurde und ein beeindruckendes Kapitel ging zu Ende. 

Vom Bier zum Begegnungsort

Anschließend änderte sich die Geschichte des Areals, aber nicht seine Bedeutung. In den 1980er-Jahren entstand hier der Jardin de Wiltz, ein Kunst- und Integrationsprojekt, aus dem später die Vereinigung Coopérations asbl hervorging. Die alten Brauereigebäude wurden restauriert, zu Werkstätten, Veranstaltungsräumen und einer Jugendherberge umgebaut. Und schließlich wurde 2004 das Prabbeli eröffnet, ein modernes sozio-kulturelles Zentrums, das Kunst, Kino, Gastronomie und Gemeinschaft unter einem Dach vereint. So wurde aus dem Ort der Braukunst ein Ort des Miteinanders.

Ein Name, der Wiltzer Geschichte erzählt und Zeichen der Erinnerung

Der Name „Gruberbeerig“ ist heute weit mehr als eine Straßenbezeichnung: Er erinnert an 125 Jahre Brautradition, an Schicksale in Kriegszeiten und an die Idee, aus Industriegeschichte neue kulturelle Kraft zu schöpfen. Wer den Hang hinauf- oder hinuntergeht, bewegt sich auf Spuren, die tief im Wiltzer Gedächtnis verankert sind. Dass der Name lebendig blieb, ist kein Zufall: Nach der Fusion von Wiltz und Eschweiler benannte der Gemeinderat am 2. Februar 2015 die frühere Rue de la Montagne einstimmig in Gruberbeerig um. Die Straße, die bei der Place des Martyrs beginnt und den Burrebeerig hinaufführt, soll bewusst an ein zentrales Kapitel der Wiltzer Industriegeschichte erinnern – als Denkmal für das industrielle, soziale und kulturelle Erbe unserer Stadt.

RS7960_20211228 - Jardin de Wiltz - vue aerienne - 11_scr

Von der „Brauereistrooss“ zur Erinnerung an einen Député-Maire

Wer in Wiltz von der „Brauereistrooss“ spricht, meint damit die heutige „Rue Joseph Simon“. Jahrzehntelang trug sie offiziell den Namen „Rue de la Brasserie“, bevor der Gemeinderat am 4. April 1965 einstimmig beschloss, sie zu Ehren des früheren Bürgermeisters Joseph Simon umzubenennen. Die Entscheidung würdigte nicht nur seine Verdienste um die Gemeinde, sondern verknüpfte den Straßennamen auch mit einer Familie, die tief in der Wiltzer Geschichte verwurzelt ist.

Ein Leben für Wiltz

Joseph Simon wurde am 30. August 1886 in Wiltz geboren. Am 30. Oktober 1917 trat er zum ersten Mal ins kommunale Rampenlicht und wurde in den Gemeinderat gewählt – zu einer Zeit, in der das allgemeine Wahlrecht noch nicht eingeführt war.

In den folgenden Jahren gewann er stetig an Zustimmung, wurde 1920, 1924 und 1928 jeweils mit höheren Stimmenzahlen wiedergewählt. 1934, nach seiner fünften Wahl, trat er die Nachfolge von François Lambert als Bürgermeister an.

Sein erstes Mandat als Bürgermeister dauerte von Anfang 1935 bis Juli 1941. In dieser Zeit wurde Luxemburg von den Nationalsozialisten besetzt. Gewählte Gemeinderäte wurden abgeschafft, und in Wiltz setzten die Besatzer zwei Amtsbürgermeister ein.

Nach der Befreiung durch die amerikanischen Truppen am 10. September 1944 kehrte Joseph Simon an die Spitze des Rathauses zurück. Er führte die Gemeinde auch während der Ardennenoffensive im bitterkalten Winter 1944/45 – eine Zeit, in der Wiltz schwer zerstört wurde. Ende 1945 legte er sein Amt nieder.

Doch die Politik blieb sein Zuhause: 1946 und 1952 wurde er erneut gewählt. Insgesamt tagte er 34 Jahre lang im Gemeinderat und vertrat Wiltz zudem 18 Jahre in der Abgeordnetenkammer – jeweils neun Jahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, für die damalige Rechtspartei, später für die CSV.

Als Joseph Simon am 23. September 1954 verstarb, erwies ihm die Bevölkerung von Wiltz die letzte Ehre. Ein eindrucksvoller Trauerzug, angeführt von der Musikgesellschaft „Concordia Niederwiltz“, deren Präsident er seit 1921 gewesen war, bewegte sich über die Niederwiltzer Brücke und die „Lann“ hinauf zum Friedhof. Die große Anteilnahme zeigte, wie sehr er in der Bevölkerung verankert war.

Die Brauerei – ein Familienerbe

Neben seiner politischen Tätigkeit leitete Joseph Simon von 1938 bis zu seinem Tod auch die traditionsreiche Brasserie Simon, die fest zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben von Wiltz gehört.

Nach ihm übernahm seine Tochter Jacqueline Simon, die 1938 den Belgier Charles Fontaine geheiratet hatte. Sie führte die Brauerei 21 Jahre lang und modernisierte den Betrieb Schritt für Schritt.

1975 übergab Jacqueline Simon an ihren jüngsten Sohn Jacquot Fontaine. Unter seiner Leitung wuchs die Produktion, 1981 beschäftigte die Brauerei 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und stellte rund 25.000 Hektoliter Bier pro Jahr her und führte neue Sorten wie Simon Régal und Simon Dinkel ein.

Die fünfte Generation am Steuer

2003 stieg Betty Fontaine, die Tochter von Jacquot und Urenkelin von Joseph Simon, in die Unternehmensführung ein und führt sie die Brasserie Simon seit Dezember 2007 allein – damit in fünfter Generation. Unter ihrer Leitung bleibt die Brauerei ein wichtiger Arbeitgeber in der Region und ein Aushängeschild für Wiltzer Braukunst.